Lektion 5: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, oder wann ist frau eine Bäuerin


Ich bin Jungbäuerin, Hofübernehmerin, Betriebsleitern und Chefin - >AHA.


Jungbäuerin: Naja, jung find ich jetzt doch etwas übertrieben. 34 ist jetzt nicht mehr wirklich so jung. Vielleicht jüngere Bäuerin. Zumindest jünger als meine Mutter.


Bäuerin: ja, ich gehe 2 mal/Tag melken, kümmere mich um Tiere, mache Käse und Wein. Trotzdem unter Bäuerin stell ich mir jemand kompetenten vor. Eine, die sich auskennt, die nicht ständig von einer Blamage in die nächste fällt. Die so generell im Leben steht und weiß was sie tut. Und eine die gscheit kochen kann. Kann ich alles nicht, oder nicht  so richtig.


Hofübernehmerin: ja, das bin ich, obwohl ich übernehme jetzt schon ca. ein Jahr und kann, weiß und tu immer noch nicht alles selbst. Wenn das so weiter geht, bin ich mit 50 immer noch Hofübernehmerin- zumindest vom Wissensstand her.


Betriebsleiterin: Ja- den Ziegenbetrieb leite ich. Ich bin sozusagen die „Obergoas“. Großartig! Wobei Betrieb ist dann doch wieder etwas übermütig. Letztes Jahr habe ich 8 Ziegen gemolken und hatte ca. 20 Tiere zu versorgen. Das ist noch nicht wirklich als Betrieb zu sehen. Eigentlich ist s noch nicht mal ein richtiger Betriebszweig. Allerdings sieht das die Sozialversicherungsanstalt der Bauern anders. Die empfinden mich durchaus als Betrieb und als solcher muss ich auch zahlen. (ABG, Kammer und AMA sind hier überraschenderweise einer Meinung.)


Chefin: hier reicht kein schlichtes NEIN.

--Stickstoffbilanz; das Biozeichen zu klein; Hofkarte; neue Allergenverordnung; Marketingbeiträge; Traktorbatterie; Anhänger rückwärts zum Stadl schieben (2 Achs wohl gemerkt); Einspritzpumpen; Miststreuer (bis 1. April.); Flaschen bestellen; Etiketten bestellen; vegane Weine; Leser anmelden; Amtstierärztin; Kundendatei (und ihr Aufenthaltsort); und der legendäre, sagenumwobene, neue Einheitswertbescheid;


Um nur einige der Dinge zu nennen, die ich alleine nie schaffen könnt, oder nicht wüsst woher ich s bekomm, oder nicht weiß, was ich damit mach, wenn ich s hab, oder wie ich s bezahl. Insofern: Nein- ich bin ganz bestimmt noch keine Chefin- noch nicht mal annähernd.


Auf der Haben Seite kann ich aber verbuchen, dass ich mittlerweile Hafer- Gerste- Weizen unterscheiden kann. Gute und schlechte Luzerne erkenne. Ich weiß was ein [Breji] ist(Hirse für die kleinen Enten). Ich habe schon Hebamme gespielt und falsche Geburtsstellungen korrigiert, eine Hefe Krise überwunden und last but not least: Ich habe meinen ersten Mehrfachantrag ausgefüllt.

Und wenn mich „Formulare ausfüllen“ nicht zu einer waschechten Bäuerin macht- Was dann?

Lektion 5: Check, check, check

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Lektion 4: Geduld ist eine Tugend, oder weshalb einem Boygroups auch nicht wirklich weiterhelfen

Damit meine Ziegendamen im April wieder Milch geben, müssen sie im Laufe des Winters mindestens ein Kitzi kriegen. Soweit so klar, das ist jetzt wirklich „Basic Milchwirtschaft 1.1“. Tja, und wie stellen wir das an? Klar, ich hol nen Ziegenbock zu uns auf den Hof. So weit so gut. Habe ich geglaubt. Denn anscheinend bin ich jetzt die einzige Ziegenbäuerin, deren Ziegenbock an meiner Herde nicht interessiert ist. Dabei wär der Bock so liab. Jung, süß und blonde Strähnchen. Schaut aus, wie von einer Boygroup. Allerdings dürfte dem Knaben  nicht ganz klar sein, wozu er bei uns auf Besuch ist. Er frisst und frisst den ganzen Tag, aber sonst: Nada. Die Damenwelt hat ihn anfangs neugierig begutachtet, ist aber mittlerweile auch zur Erkenntnis gelangt, dass sie das Heu dem Bock vorziehen (dazu werd ich mich jetzt mal nicht äußern). Leicht panisch, ob der sexuellen Lethargie da hinten im Hof, hab ich mir also folgenden Plan ausgedacht. Was macht man/frau also um hier ein bisschen Amore in Gang zu kriegen? Genau: Eifersucht/Rivalität. Also durfte mein kleiner Zwrgziegenbock (der eigentlich nicht für s Decken gedacht ist- weil Zwergziege) nach vorne in s Blickfeld der Damen. Und siehe da, plötzlicher hormoneller Supergau. Beide Herren (Boygroup Casear und Zwergziegen Bomber) wussten gar nicht mehr wohin vor lauter Hormone.

Die Ziegen wurden ständig hin und her getrieben. Alle meine Zäune wurden niedergerissen und die Zunge hing ihnen raus.- das lässt tief blicken.

Und jetzt? Jetzt weiß ich nicht. Sind sie trächtig, oder nicht? Hab ich noch einen 2. Betriebszweig, oder nicht? Frühestens im Dezember werd ich s wissen.


Conclusio: Geduld ist eine Tugend, die ich nicht hab.

Lektion 4: Check


P.S.: Mittlerweile ist Feber und ich kann sagen, dass die meisten Damen mittlerweile sogar schon geworfen haben. So ist das mit der Landwirtschaft. Die Dinge dauern einfach so lang wie sie dauern. Ob man das jetzt will oder nicht.

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Lektion 3: Bauernhof Logistik

Man hält es nicht für möglich, aber auch der kleinste Bauernhof muss sich mit dem Thema Logistik auf professionelle Art und Weise beschäftigen, um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben.

Mit dieser Erkenntnis haben wir uns daher auch darum angenommen. Dabei sticht ein Teilbereich, nämlich die Entsorgung von Ziegenmist, besonders hervor. Bei genauerer Betrachtung eine echte Herausforderung für den besten Logistik-Experten.

Laut Definition geht’s ja darum, die richtige Menge der richtigen Objekte, am richtigen Ort im System, zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität zu den richtigen Kosten zur Verfügung zu stellen. Na dann, mal schauen:

Die richtige Menge

Unsere Ziegen sind der Meinung, es kann nie zu viel sein: vorne rein, hinten raus, tagein, tagaus…

Die richtigen Objekte

Faszinierend, wie unsere Ziegen das machen: Vollkommen idente, 8 mm große Kügelchen, alle hand- pardon Po-geformt. Eine Ladung geschätzte 42 Stk., beste Qualität in Anthrazit. Genau darum geht’s.

Am richtigen Ort

Da kommen dann wir ins Spiel: Wohin mit so viel Scheiße in Kugerlform? Zuerst bietet sich da einmal ein Zwischenlager an, der so genannte Misthaufen. Leider haben wir noch keine vollautomatische Entmistung, daher greifen wir auf die besonders sorgfältige und schonende Entmistung zurück, sprich auf Mistgabel und –schaufel und unsere Muckis, die in den letzten Monaten ziemlich an Format zugelegt haben. Da fällt mir ein: Wer sich ein Fitnesscenter ersparen möchte, ist beim nächsten Mal herzlich eingeladen. J

Da es sich bei den Anthrazit-Kugerln nicht um Atommüll handelt, gibt‘s bei uns auch ein Endlager: den Weingarten. Das geht zur Abwechslung aber mal vollautomatisch mit dem Miststreuer. (An dieser Stelle ein großes Dankeschön an den Erfinder!)

Womit wir beim richtigen Zeitpunkt wären:

Das ist dann, wenn’s dreckig ist im Stall. Hört sich einfach an, ist es aber nicht unbedingt, denn da gehen die Meinungen der betroffenen Ausmister, je nach Tagesverfassung teilweise eklatant auseinander. Aber im Team werden dann in entsprechenden Meetings Kompromisslösungen ausgearbeitet und Strategiepapiere entwickelt ( sprich: „Welche Seite vom Stall magst du machen?)

Die richtige Qualität

Auch wenn die 8 mm Anthrazit-Kugerln bestimmt optisch die schönsten sind, wurde uns in unseren Marktforschungen bestätigt, dass auch die wesentlich selteneren hellbraunen Kuglern, die aufgrund diverser Unpässlichkeiten der Lieferanten entstehen, durchaus Anklang beim Kunden (sprich den Bodenviecherln) finden.

 

Und so sind wir beim wichtigsten Teil, der ökonomischen Komponente unserer Mist-Logistik angekommen: Die Kosten – ja, die haben wir!  Aber wie mir ein Freund beim fröhlichen Mistgabeln bestätigte: „Viel Scheiße – viel Glück!“ Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Lektion 3: Check

Gabi Klampfer-Heider

(ihres Zeichens unsere Marketing Expertin und seit neuestem auch Kugerlbeauftragte)

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How To Become a Bäuerin

Lektion 2: Was ist gewachsen und was ist gewichen?

 

Es müssen mehr laktierende Ziegen auf den n Hof! Mit Betonung auf laktierend, denn Tiere (und Menschen) die rumstehen und Essen (- also Mitesser) haben wir genug.

 

Einen Bock kaufen - bereits belegte Tiere kaufe n- wie zukaufen, wann und von wem. Unendlich viele Möglichkeiten alles falsch zu machen. Ich hab jede einzelne von ihnen gefunden.

 

Ein Tier Zukauf war vielleicht früher ein Geschäft, bei dem die eine Partei das Geld gibt und die andere das Tier, dem ist aber längst nicht mehr so. Mittlerweile ist es das Hauptziel beider Beteiligten krampfhaft die benötigen Zettel korrekt und in einem vernünftigen Zeitrahmen (2012 hoffe ich bald abzuschließen) also im Sinne der Behörden (AMA und ABG) auszufüllen.

 

Leider bin ich mir bei dieser ganzen Zettelwirtschaft oft recht unsicher, ob die Herrschaften Auskünfte bezüglich meiner Person ermitteln müssen oder ob sie die Ziegen meinen.

 

Beim Staatsbürgerschaftsnachweis habe ich sicherheitshalber den von mir und den von der Goas beigefügt. (nachdem wir ohnehin beide AT sind ist das wirklich einfach. Man bemüht sich ja, wenn man kann, alles richtig zu machen.)

 

Blutgruppe: da geb ich die von der Ziege an- (ich hab s nicht so mit Spritzen)

 

Unterhaltsam wird s zum Beispiel bei der Frage nach dem Vaterschaftsnachweis. Ich mein, was weiß man? Wollen die jetzt den Namen „Fentor“ (spitzen Toggenburgerziegenbock) oder „Josef“ seines Zeichens mein Papa-  ein spitzen Mensch.

 

Wirklich schwierig wird’s beim Abschnitt „Transport“ Untergruppe Lichbildausweis oder Führerschein. Meinen Führerschein? Oder einen Lichtbildausweis meiner Ziege? Woher nemma und net stehln? (Fraglich, ob meine Ziegen beim Passfoto seriös genug dreinschaun würden.)

Meinen Führerschein können die aber auch nicht meinen, denn mir fehlt die Schulung- ich bin kein ausgebildeter Tiertransporteur. Folglich kann ich meinen Führerschein auf keinen Fall angeben. Allerdings reisen meine Tiere auch nicht zu 1000st tagelang quer durch Europa, sondern eine halbe Stunde ziemlich komfortabel mit Heu und  Wasser versorgt von A nach B- hypothetisch gesprochen. Praktisch sind sie alle selber angereist.

 

Hier erkennt man also das Dilemma. Tatsache ist, man/ frau kann das gar nicht richtig ausfüllen. Es gibt 1000 Gesetze und Vorschriften, welche in ihrem Ursprung sinnvoll sind, die aber völlig über das Ziel hinausschießen. Die Regeln sind gewachsen, gewichen ist allerdings der Hausverstand. Die Schlussfolgerung ist jetzt also folgende: Formulare sind weiße Zettel, wo jemand was draufgeschrieben hat. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Lektion 2 (nur von Antragsteller oder AntragstellerIn auszufüllen)

 

Check.

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How to Become a Bäuerin

Als ich von Wien zurück auf unseren elterlichen Biobauernhof zog, dachte ich mir: „ Ich tu das, weil ich nicht mehr im Theater arbeiten will. Ich tausche Schauspieler gegen Ziegen das Leben wird erdiger, idyllischer zufriedener. Interessant. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, daher sollte ich ja wissen, dass es nicht so weit her ist mit der Idylle. Aber egal, Idylle hin oder her, jetzt bin ich da... mitten im Burgenland, und eigentlich mag ich's ja. Ich darf hier sozusagen meinen eigenen Betriebszweig (Ziegenmilch und Ziegenkäse) aufbauen. Ich mag meine Tiere, bin stolz auf unseren Käs und steh' im Großen und Ganzen jeden Tag gern auf zum Melken. Aber womit ich wirklich nicht gerechnet hätte (also in diesem Ausmaß), ist die Frage nach dem direkten Vorgesetzen.

Im Theater war das eindeutig geklärt. Das Sagen hat der Intendant. Klare Ansage- klares Feindbild. Kein Problem. Die Grundidee bei dieser ganzen Selbständigkeitsgeschichte war, dass ich Dinge so lösen darf, wie ich will. Meine eigenen Ideen umsetzen und selbst verantwortlich sein für Haus und Hof. Der Berufsstand der Bauern eignet sich ja ideal dafür. Gebe es ein Jobprofil, würde unter anderen Dingen auch drinnen stehen:“ Muasst selbst schauen, wo'sd bleibst.“ Eigenverantwortung: juhu! Eigentlich hat man als Bauer oder Bäuerin ja nur einen unantastbaren Vorgesetzen: das Wetter (und die Raika und die AMA und die ABG und diverse andere- egal).

Bei mir scheint sich das anders zu verhalten. Ich bin von einer teilweisen Selbständigkeit in ein völliges Arbeitnehmertum gerutscht. Da wären nun mal die Chefin und der Chef, sprich meine Eltern, die Bauersleut). Und dann wär da noch: ICH (irgendwann mal Bäuerin- hoffentlich).Wir können mir also alle drei anschaffen, dass ich, zum Beispiel den Stall ausmisten muss. Klasse. Trotzdem passiert's nicht schneller. Aber Gott sei Dank ist sich die Mehrheit darüber einig, dass es genau jetzt passieren muss.

Des Weiteren gibt es auch genau eine Art, alle Dinge richtig zu machen und die kann ich mir anscheinend nicht merken. Schwierig. Alle Gerätschaften scheinen davon abhängig zu sein. Ich schwöre, jede dieser Maschinen (vom Traktor bis zur Mistgabel) hat einen eigenen Willen. Und wenn man sie woanders abstellt oder verkehrt herum hinstellt oder auch nur anders anschaut, als die Bäuerin und der Bauer das tun, dann ist das FALSCH. Falsch für Haus und Hof, das Leben und auch sonst alles. Und das Gruselige ist, dass dies bei ein paar der Sachen auch stimmt. Bis jetzt war es mir aber noch nicht möglich herauszufinden, wann ich die Dinge wirklich so lösen sollte, wie es mir meine Chefitäten auftragen und wann ich es einfach anders machen könnte.

Die Schlussfolgerung ist jetzt also folgende: Ihr sagt mir, was ihr wollt und ich mach's, wie ich will. Schau ma mal, dann sehn ma schon. Und das steht ja wohl auch im Jobprofil der Bauernschaft: Beratungsresistent.

 

Lektion 1: Check

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